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„Gute Arbeit erkennt man daran, dass sie auch dort gut ist, wo man sie nicht sieht“

Über den Autor

Jan Králík

email: jankralik@jankralik.cz

skype: jankralik

Ich wurde im Jahr 1954 in Prag geboren. Meine Eltern kamen, vom Schicksal geleitet, aus der Stadt Teplice (die Mutter Erna, Englischlehrerin) und aus der Stadt Vsetín (der Vater Jaroslav J., Grafiker und Maler) nach Prag. Aufgewachsen bin ich im Prager Stadtteil Strašnice. Kamil Lhoták, ein bekannter Maler gestaltete Bilder dieser Peripherie, in deren Umfeld ich aufwuchs. Unsere Straße war damals sicher, mit geheimnisvollen Ecken und es gab freundliche Nachbarn. Es hört sich heute vielleicht gewagt an, aber aus dem Kindergarten ging ich selbstständig zwei Kilometer über das Feld mit dem Schlüssel um den Hals nach Hause. Neben dem Umfeld des Radsportstadions am Třeběšín habe ich den Ort Křižany pod Ještědem in mein Herz geschlossen, wo meine Eltern eine Blockhütte, noch bevor ich geboren und dieses zum Modetrend wurde, kauften. Mit den dortigen Jungen bin ich bis heute befreundet.

Die Schule war kein Problem, das Gymnasium problematisch. Ich besuchte dieses seit dem September 1969. Ein Jahr nach dem sowjetischen Einfall wurde es rauer und in der Schule konnte man dieses spüren. Mit fünfzehn Jahren begann ich erwachsen zu werden, was mich mehr als das Lernen beanspruchte. Das Beste von allem waren die wöchentlichen Hopfenbrigaden im Frühjahr (Drahtbindearbeiten) und die Ernte im Herbst. Wir hatten eine ausgezeichnete Klasse, bis heute kommen viele von damals noch öfter als einmal jährlich zusammen. Die Lehrer waren nicht so beliebt. In jedem Fall habe ich das Abitur beim ersten Versuch mit schlechtem Ergebnis und noch schlechterer Beurteilung bewältigt. Ganz klar, dass die Lehrerin mir diese nicht zeigte, aber eine Mitschülerin hat mir dieses reproduziert. Zufällig hatte sie diese als studentische Aushilfe in der Studienabteilung der Fakultät für Journalistik der Karlsuniversität in die Hand bekommen. An dieser Fakultät meldete ich mich zum Studium. Ich kann mich nur noch an die Anmerkung “Achtung Vater!” erinnern. Mit dieser Anmerkung hinsichtlich meines Vaters (und sicher auch wegen des Abiturergebnises) wurde ich abgelehnt. Ich trat bei der Agentur ČTK (im hiesigen Jargon „Tschetka“) eine Arbeitsstelle am Fernschreiber an, wo ich die Nachrichten abriss, die aus diesem herauskamen. Diese trug ich dann in den Nebenraum zum Schichtverantwortlichen zur Genehmigung. So also sollte meine journalistische Praxis mit 800 Tschechoslowakischer Kronen brutto monatlich aussehen, wobei ich hoffte, nach einem Jahr von der journalistische Fakultät angenommen zu werden. Ich hatte Glück. Nach zwei Monaten wurde ich der Prager Redaktion zur Verfügung gestellt und man hat mir die Verkehrsberichterstattung anvertraut. Dieses umfasste entgleiste Straßenbahnen, gebrochene Gliedmaßen, die Wochen der bulgarischen Küche und ähnliche bedeutsame Ereignisse. In der “Tschetka” lernte ich nicht nur schnell, sondern auch unter den Maschinengewehrstößen von Dutzenden mechanischer Schreibmaschinen zu schreiben, auf denen im Saal der Berichterstattung meine Kollegen ihre Arbeit verrichteten.

Nach zwei Jahren (und zwei weiteren erfolglosen Versuchen an die FŽ UK zu gelangen) hat mir meine Vorgesetzte ein Treffen mit Ihrem Ehemann, JUDr. Karel Helmich, dem Sekretär der Zeitschrift Svět motoru (Motorwelt) vereinbart. Es gab einen freien Arbeitsplatz und man stellte mich ein. An dieser Stelle muss ich den Chefredakteur von SM Miroslav Ebr anführen. Nicht das er keine Macken gehabt hätte, aber einen damals zweiundzwanzgjährigen Grünschnabel mit Vieren auf dem Abiturzeugnis und zweijähriger Praxiserfahrung einzustellen, war von ihm ein gewagter Schritt. Ich an seiner Stelle hätte dieses nicht gemacht.
In der Redaktion der “Motorwelt” war eine gute Mannschaft und ich fand dort mein Gebiet. An dieser Stelle ist anzuführen, dass das Journal “Motorwelt” zur damaligen Zeit einen hohen Stellenwert besaß und wöchentlich mit einer unglaublichen Auflage von 360 000 Exemplaren herausgegeben wurde. Weiter meldete ich mich zum Hochschulstudium an. Als ich das vierte Mal eine Ablehnung erhielt, schrieb ich an das ÚV KSČ (Zentralkomitee der kommunistischen Partei der Tschechoslowakei), an das Regierungspräsidium und das Bildungsministerium, dass ich den Grund erfahren möchte, weshalb ich nicht das studieren kann, womit ich mein Brot verdiene. Eine Antwort erhielt ich nicht. Jedoch wurde ich bei den Prüfungen an der Fakultät nicht befragt und ich wurde angenommen. Anscheinend kam die Weisung, dass mit dem Quengler keine Probleme entstehen. Das war ein Studium! Beispielsweise den wissenschaftlichen Atheismus las eine Frau von einem Blatt ab und ihr Slang klang wie von einer Hausmeisterin aus dem proletarischen Stadtteil Žižkov. Oder der Dozent, der eine Russin geheiratet hat und sicherheitshalber auch ihren Familiennamen annahm, oder… In unserer Studiengruppe waren einige ausgezeichnete Personen, beispielsweise Honza Jiříček, dem es gelungen ist geheim zuhalten, dass er im Jahr 1968 den Klub der engagierten Parteilosen – KAN gründete. Das war eine Organisation, die den Kommunisten so sehr im Magen lag, dass wir in der “Motorwelt” nicht über das Automobil von Alois Nejedlý aus Hradec Králové aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg schreiben durften – auf dem Kühlergrill hatte dieses Fahrzeug die Buchstaben KAN.

Im Jahr 1980 heiratete ich. Meine Ehefrau Eva ist Ärztin. Sie befasst sich mit der Therapie der Tabakabhängigkeit. 1983 wurde unser Sohn Honza geboren. Er ist heute auch Vater (Adam,2011). Er absolvierte die Literarische Akademie des Josef Škvorecký, er ist Freiberufler und er arbeitet als jemand, den ich nicht in der Lage bin zu definieren, aber er sieht zufrieden aus und es scheint, dass ihm die Arbeit Spaß macht. Die Fakultät absolvierte ich mit geringeren Problemen als das Gymnasium. In der Redaktion der “Motorwelt” hielt ich neun Jahre aus bis 1984, als ich zum dritten Mal das Angebot erhielt, in die kommunistische Partei einzutreten. Ich bin dann gegangen.
Meine neue Wirkungsstätte war nun NADAS, Verlag des Verkehrs- und Fernmeldewesens. Hier war ich in der Werbeabteilung als der einzige Mitarbeiter. Dieses Jahr erachte ich als das schlimmste in meiner Berufslaufbahn, denn hier gab es keine Arbeit. Der Verlag NADAS gab einmal im Jahr ein Kursbuch heraus. Es wurden Zugfahrkarten auf Karton gedruckt und ab und an eine Publikation herausgegeben. Mit dem Direktor haben wir uns nicht verstanden, somit musste ich mein erstes Buch (Parní symfonie – Die Dampfsymphonie), das eben hier herausgegeben wurde, mit dem Namen meines Kollegen unterschreiben. Das zweite Buch (A přece se točí – Und sie dreht sich doch) wurde hier fünf Jahre nach der Abgabe meines Manuskripts herausgegeben und ich arbeitete längst nicht mehr hier.

Ich habe ein Jahr ausgehalten und während dieser Zeit erbittert daran gearbeitet, um als Freiberufler arbeiten zu können. Damals war dieses praktisch ausgeschlossen, unmöglich, grundsätzlich nicht erlaubt. Somit bin ich seit September 1985 als Freiberufler tätig.

Gegen Ende des Jahres 1984 leitete ich das Journal Auto&moto veterán, welches als “methodische Hilfe für die Steuerung der Arbeit in der Basisorganisation der Jugendorganisation hinsichtlich der Fachlichkeit für historische Fahrzeuge, bestimmt für den internen Gebrauch der Basisorganisation der Jugendorganisation”. Eine nicht offizielle Zeitschrift herauszugeben war damals eine Straftat. Jedoch war es möglich, ein Hilfsmittel für die slowakische Basisorganisation der Jugendorganisation herauszugeben. Diese hatte rund 20 Mitglieder. Der Verband für die Zusammenarbeit mit der Armee war eine halbmilitärische Organisation. Unter deren Flügel versteckten sich auch die Oldtimerleute. Das “Hilfsmittel” erschien drei Jahre lang auf Kreidepapier mit farbigem Umschlag in einer Auflage von 2000 Exemplaren.

Im Jahr 1985 begann ich mit der Zusammenarbeit mit dem Studio Shape, einer Gruppe von bildenden Künstlern, Architekten und Szenaristen. Sie gewannen die Ausschreibung zur Gestaltung des Zentralpavillons für die Expo ´86 im kanadischen Vancouver. Meine Aufgabe bestand darin, die interessantesten Exponate aus erreichbaren europäischen und amerikanischen Museen für Technik herauszusuchen.

Als Freiberufler arbeitete ich für das Technikmagazin (ein sehr gutes Monatsjournal) und die tschechoslowakische Motor Revue, die nur in den Sprachvarianten herausgeben wurde. Aufgrund verschiedener Umstände und Zufälle (aber auch dank des Chefredakteurs der ČMR Jiří Hájek) fuhr ich 1988 zur Rallye Paris-Dakar, wo Karel Loprais das erste Mal in der Kategorie der LKW siegte. Das war eine grandiose Erfahrung.

Im Jahr 1990 wirkte ich in einer der ersten Werbeagenturen. Das Studio Shape übernahm die Vertretung der internationalen Agentur Saatchi & Saatchi. Dieses war absolut neu und interessant. Nach zwei Jahren wechselte ich zur Agentur Studio Beam und hier hielt ich (vor allem Dank des Inhabers Ing. Honza Vávra) bis zum Jahr 2000 aus. Damals trennte ich mich erleichtert und definitiv von der Werbearbeit (jedoch nicht von Honza). In der Werbung wirkte ich als Kreativ-Direktor. Erinnern kann ich mich nur noch an den animierten TV-Spot für den Rasierapparat Philishave “Proletarier aller Länder, rasiert Euch!”, in dem wir Lenin, Marx und Engels von ihren Bärten befreiten und für den wir zusammen mit Pavel Koutský den Nussknacker erhielten. Ich glaube der preis hieß so.

Außerdem schrieb ich Bücher und ich verfiel den historischen Velocipeds. 1987 gelang es mir für drei Tage außerhalb des Stacheldrahts zu schlüpfen. Ich fuhr nach Holland zum Treffen der Sammler dieser Räder. Hier fiel die Entscheidung. Historische Motorräder hatte ich mehrere in verschiedenen Stadien der Zerlegung. Ich tauschte diese gegen die Räder aus. 1993 organisierte ich zusammen mit Freunden in Prag die International Veteran Cycle Association Rallye. Es kamen 350 Fans aus der ganzen Welt. Damit hat uns diese internationale Familie aufgenommen. Im selben Jahr haben wir mit Freunden den Tschechischen Klub der Velozipedisten 1880 wiederbelebt. Dieser Klub ist der älteste seiner Art in Mitteleuropa. In den 50er Jahren wurde dieser durch die sozialistische Körpererziehung eingestampft. Der erneuerte Klub ČKV 1880 ist vor allem durch seinen Reigen bekannt. Dieses stellt eine künstlerische Chorgeografie auf Hochrädern zu den Tönen des Vorspiels zu Rossinis Oper “Die diebische Elster” dar. Dieses verlangte von uns viel Kraft und blaue Flecken.

Viele Male besuchte ich die International Cycle History Conference mit den Vorlesungen zum Thema des historischen Radsports und zur Fertigung von Fahrrädern. Im Jahr 2010 organisierte ich diese Konferenz mithilfe der Freunde des Tschechischen Klubs der Velozipedisten, des Ersten tschechischen Radsportmuseums und des NTM (Nationales Technikmuseum) in unserem Land. Mit dem Nationalen Technikmuseum bin ich eng verbunden. Anfang der 90er Jahre verwaltete ich hier die Radsportsammlung. Im Jahr 2011 organisierte ich die Fahrradausstellung in der neu geöffneten Verkehrshalle. Ich bin Mitglied des wissenschaftlichen Beirats und Vorsitzender des Redaktionsbeirats.
Von Anbeginn arbeite ich mit dem Centrum Paraple zusammen, eigentlich bereits vor der eigentlichen Gründung. Dieses hilft körperlich benachteiligten Personen. Das Technikmagazin druckte meine Reportage über die Rollstuhlfahrer ab. Die Herausgabe erfolgte zum Zeitpunkt, als der sozialistische Versuch zur Neige ging. Es gab damals einige Probleme, denn aus dieser wurde in den westlichen Propagandasendern gelesen. So lernte ich eine Reihe guter Freunde kennen.

Im Jahr 1993 bereitete ich auf dem österreichischen Schloss Schwarzenau den tschechischen Teil der europäischen Ausstellung über die Entwicklung des Fahrrads vor. Beteiligt waren ausländische Sammler und einige Museen. Im selben Jahr habe ich im NTM die Ausstellung der amerikanischen Fahrräder aus der Sammlung des niederländischen Museums Velorama produziert. 2001 bereitete ich das Szenario vor und produzierte die Ausstellung “Das Jahrhundert des Kraftfahrwesens” als begleitende Aktion der Fahrzeugausstellung 2001 in Stadt Brno. Im selben Jahr auf ähnliche Weise die Ausstellung “Das Fahrrad auf jede Art und Weise” als begleitende Aktion der Ausstellung Sportlife Brno. Die Ausstellung “Wie entsteht ein Automobil” war eine Exposition, die ich für den Autosalon Brno 2003 vorbereitete. 2005 hinterließ ich als Szenarist meine Spur hinter der Ausstellung “100 Jahre der Geschichte der Automobile L&K-Škoda. In den Jahren 2004 und 2005 war ich Präsident der International Veteran Cycle Association.
Seit der Erstausgabe (2000) trage ich der Zeitschrift Motor Journal bei und ich bin Mitglied des redaktionellen Beirats.

Wenn es möglich ist (wenn Sie so möchten, dann ist es immer möglich), setze ich mich aufs Rad, auf das Hochrad oder das normale Rad, das spielt keine Rolle, am liebsten jedoch, wenn das Rad eine Geschichte hat. Meist fahre ich auf einer Straße, die von meinem Freund Jarda Majer akzentuiert bepflanzt wurde. Leider hat er uns bereits verlassen. Und so bin ich trotz dessen, dass ich allein unterwegs bin, eigentlich nicht wirklich allein.

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Publikationen herausgegeben in deutscher Sprache:

  • Indem sie schweigen, schreien sie. Druckwerbung des Automobilwerks L&K – Škoda

    Moto Public, 2005, 224 Seiten

    ISBN: 80–239-5459–8

  • Geschichte der Entwicklung und Fertigung von Motoren 1899-2009, 110 Jahre Motoren aus Mladá Boleslav

    Moto Public, 2009, 35 Seiten

  • Geschichte der Entwicklung und Hetstellung der Werzeuge 1900-2010, 110 Jahre Werkzeuge aus Mladá Boleslav

    QandA, 2010, 28 Seiten

  • Eberspächer in tschechischen Ländern

    Atelier Kupka, 2004, 26 Seiten

    ISBN 80–903028-4-X